Die Entzündung

Eine Entzündung ist eine Reaktion des Immunsystems auf eindringende Krankheitserreger und auf mechanische oder auch chemische Schädigung körpereigener Zellen und Gewebe. Die Hauptsymptome einer Entzündung sind Schmerzen, Rötung, Erwärmung und Schwellung des betroffenen Gewebes. Eine Entzündung beginnt zum Beispiel mit der kleinen Verletzung eines Blutgefäßes. Das Blutgerinnungssystem tritt sofort in Aktion, und es bildet sich ein kleiner Blutpfropf aus Blutplättchen und einem Fibrinnetzwerk, welches den Blutpropf zusammenhält. So wird das verletzte Blutgefäß erst einmal verschlossen. Die Blutplättchen setzen dabei bestimmte Signalstoffe frei, die weiße Blutkörperchen (Leukozyten), beispielsweise Makrophagen herbeilocken.  Wenn diese auf Bakterien (oder Zelltrümmer) treffen, fressen sie diese auf (Phagozytose), präsentieren deren Antigene auf ihrer Oberfläche und lösen damit eine spezifische Immunantwort aus.

Ein Leukozyt wandert vom Blutgefäß in das entzündete Gewebe. Dort scheidet er eiweißspaltende Enzyme aus, um interzelluläre Verbindungen zu lösen und damit seine Beweglichkeit zu verbessern. So gelingt es ihm leichter  Bakterien aufzuspüren und aufzufressen (Phagozytose). Quelle: Wikipedia

Gleichzeitig setzen die Makrophagen weitere Signalstoffe frei, vor allem den Tumornekrosefaktor ALPHA (TNF ALPHA). Dieser verbessert zusammen mit Histamin, das von Gewebemastzellen (Leukozyten, die  an allergischen Reaktionen beteiligt sind) ausgeschüttet wird, die Durchblutung des Gewebes  rund um die geschädigte Region (Rötung und Erwärmung) und erhöht die Durchlässigkeit der Blutgefäßwände. Dann tritt vermehrt Flüssigkeit in das umliegende Gewebe über (Schwellung). Giftige Substanzen werden verdünnt, Antikörper und Proteine des Komplementsystems können leichter die Bakterien erreichen und angreifen. Die Flüssigkeit schwemmt Bakterien und „vollgefressene“ Makrophagen über die Lymphkanäle zu den nahe gelegenen Lymphknoten aus, wo sie abgebaut werden. TNF ALPHA regt die Zellen der nahe gelegenen Blutgefäßände zur Bildung von Haftmolekülen (Adhäsionsmolekülen) an, die den im Blut zirkulierenden Leukozyten das „Andocken“ erleichtern und ihnen somit den Weg zur Entzündung weisen. Zusätzlich beginnen die Gewebemastzellen (s.o.) mit der Produktion von Prostaglandinen, welche die Schmerzempfindlichkeit erhöhen, weitere Leukozyten aktivieren und zusammen mit dem von den Makrophagen ausgeschütteten Signalstoff Interleukin 6 Fieber auslösen. Fieber unterstützt das Immunsystem, weil alle Abwehrreaktionen bei erhöhter Temperatur schneller ablaufen und viele Bakterien die „Hitze“ nicht gut vertragen. Das Interleukin 6 sorgt auch dafür, daß die Leber das C-reaktive Protein (CRP) bildet, welches an der Oberfläche von Bakterien „festmacht“ und diese so für Makrophagen und Komplementsystem markiert und so angreifbarer macht. Der CRP-Wert (Konzentration im Blut) ist  auch  ein guter Gradmesser für die Stärke einer Entzündung.

So nützlich die Entzündungsreaktion auch ist, so gefährlich wird es, wenn sie nicht mehr lokal begrenzt bleibt, sondern sich über das Blut ausdehnt Es kommt zu einer Blutvergiftung und zu einem lebensbedrohlichen Schock: Die allgemein erhöhte Durchlässigkeit der Blutgefäßwände lässt große Mengen an Blutflüssigkeit (Blutplasma) ins Gewebe übertreten. Wegen der geringen Füllung der Blutgefäße nimmt  der Blutdruck  schlagartig ab. Die zu geringe Durchblutung führt zu Sauerstoffmangel, dieser zu einer Erweiterung der Blutgefäße, dadurch noch stärkerem Blutdruckabfall und noch schlechterer Durchblutung. Dieser selbstverstärkende Prozeß führt zum Versagen lebenswichtiger Organe wie Leber, Niere, Herz und Lunge. Unbehandelt führt ein Schockzustand immer zum Tode.

Jens Christian Heuer

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